Es vor wenigen Tagen erreicht der Bitcoin sein bisheriges Allzeithoch bei über 1.200 Dollar. Ein Grund dafür war die erhöhte Nachfrage aus China. Kurz darauf fiel der Kurs aber wieder deutlich zurück, unter anderem auch wegen Nachrichten aus China. Die chinesische Notenbank hatte den Banken des Landes den Handel mit Bitcoin verboten. Das ist eigentlich wenig überraschend, vor allem in der immer noch zentral gesteuerten Bankenlandschaft Chinas. Interessant ist aber, dass die Notenbank Privatleuten den Handel ausdrücklich erlaubt hat. Das wiederum ist neu und stellt die bis dahin in China existierende Grauzone des Bitcoin-Handels erstmals in ein legales Licht. Bis zu dieser Meldung handelten die Chinesen mit einem bis dahin für sie verbotenen Gut. Dennoch wurde die Meldung weltweit als Bitcoin-Verbot interpretiert und in den Medien entsprechend negativ dargestellt.

Jetzt meldet sich auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) zu Wort und warnt vor Bitcoin. Ganz konkret nennt die EBA sechs Risiken:

  • Verlustrisiko des Geldes beim Handel auf den bekannten Plattformen wie Mt.Gox und anderen. Diese Plattformen sind keine Banken und entsprechend wenig abgesichert.
  • Diebstahl von Bitcoins. Hacker können Zugang zu den elektronischen Geldbörsen, den Wallets, erlangen und die Bitcoins stehlen.
  • Endgültigkeit der Zahlungen. Bitcoin-Zahlungen können nicht rückgängig gemacht werden und bleiben beim Empfänger.  Bei Korrekturen ist der Sender immer auf die Kulanz des Empfängers angewiesen.
  • Starke Kursschwankungen. Die extremen Schwankungen der letzten Monate machen Kalkulationen schwierig.
  • Gefahr des Missbrauchs von Bitcoin für kriminelle Zwecke wie Geldwäsche und Drogenhandel
  • Mögliche steuerliche Verpflichtungen aus dem Handel mit Bitcoins.

Es ist zwar löblich, dass sich die EBA um die Sicherheit der Bürger sorgt, aber diese Warnung erscheint arg konstruiert.

Das Verlustrisiko auf Online-Plattformen ist vorhanden und deshalb sollte man dort auch keine größeren Geld- oder Bitcoin-Beträge stehen lassen. Dies gilt aber für alle Online-Plattformen, auf die Geld eingezahlt werden kann, wie z.B. auch PayPal. Aber auch Konten bei realen Banken sind nicht vor Verlust geschützt. Die Sparer auf Zypern standen im März vor geschlossenen Schaltern und eingefrorenen Konten. Vielfach verloren sie einen Teil ihrer Guthaben durch einen staatlich verordneten „Schuldenschnitt“.

Die Absicherung des eigenen PCs gegen Hacker gehört zu den Pflichten jedes Internetnutzers. Natürlich ist es sinnvoll, die Wallet extra zu sichern, aber das gilt auch für die Zugangsdaten zum Online-Banking eines „normalen“ Kontos ebenso wie für den eigenen Geldbeutel.

Die Endgültigkeit der Zahlung ist zwar ein Risiko, aber auch ein Vorteil für den Verkäufer, der kein Ausfallrisiko mehr hat. Dies kann langfristig zu sinkenden Preisen führen. Zudem sind auch normale Überweisungen so gut wie endgültig und nur mit Hilfe des Empfängers rückgängig zu machen.

Die starken Kursschwankungen sind zweifellos vorhanden. Dies gilt aber auch für andere Anlageformen, wie z.B. Gold, Aktien und selbst die Währungen. Alle Preise schwanken und unterliegen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die Kursschwankungen beim Bitcoin sind auf einen sehr regen Handel und letztlich auf eine starke Nachfrage zurückzuführen.

Nach der Schließung der illegalen Handelsplattform Silk Road, auf der Drogen aller Art umgeschlagen wurden, ist die Gefahr des Missbrauchs für illegale Zwecke stark zurückgegangen. Außerdem kann man dem Bitcoin-System keinen Vorwurf machen, wenn es für illegale Geschäfte eingesetzt wird. Wesentlich mehr illegale Aktivitäten werden mit Bargeld abgewickelt und trotzdem sieht darin niemand eine Gefahr für den Euro.

Steuerliche Verpflichtungen können sich nur ergeben, wenn der Staat auch Bitcoins anerkennt. Dies kann für die Akzeptanz und Verbreitung des Bitcoin nur förderlich sein und trägt gleichzeitig dazu bei, dass sich andere Risiken wie die extreme Volatilität, reduzieren.

Insgesamt ist die Warnung der EBA also sehr konstruiert. Interessant ist aber auf jeden Fall die Häufigkeit der Warnung in letzter Zeit und auch die dankbare Berichterstattung in den Medien über die Warnung. Derartige Schlagzeilen verbreiten beim ersten Lesen natürlich Skepsis gegenüber dem Bitcoin. Wenn sich die Warnung aber häufen, kann dahinter auch eine andere Absicht stecken als die Fürsorge des Warnenden.  Fürchten die Notenbanken und Bankenaufsichten Bitcoin als ein System, das sie nicht kontrollieren können und warnen sie deshalb so ein- bzw. aufdringlich davor?

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